Pam Pengco im Interview zum International Drag Day

von Jana Comtesse

Der International Drag Day ist der Tag, an dem Drag-Künstler auf der ganzen Welt gefeiert und ihre Kunst anerkannt werden. Dieser Tag soll Drag-Künstlern einen Raum bieten, um ihre Kreativität und Kultur zu zeigen.
Die Drag-Queen hat eine feste Rolle mit eigenem „Drag-Namen“, während ein Travestie-Künstler in verschiedene Frauenrollen schlüpft und auch prominente Frauen imitiert oder parodiert. Das Pendant der Drag-Queen ist der Drag-King, also Frauen, die innerhalb einer Bühnenrolle in typisch männlicher Kleidung und Aussehen stereotype männliche Verhaltensweisen darstellt oder persifliert.

Die Kölner Drag-Queen Pam Pengco hier im Interview:

1. Was bedeutet es für Dich, eine Drag Queen zu sein, unabhängig der Popularität?

Drag bedeutet für mich Individualität, Kunst und Persönlichkeit. Ich kann mich anders, teils besser und sicherer darstellen, quasi wie eine gepimpte Version von mir selbst. Da, wo ich als Mann zu schüchtern oder vorsichtig wäre, hat Pam überhaupt kein Problem. Außerdem ist Drag mein Job, auch wenn ich nie das Gefühl habe zur Arbeit zu gehen…

2. Was sind die Hürden einer Drag Queen?

Abgesehen von der Rasur? Die erste Hürde für mich ist es, das Haus zu verlassen. Der Einstieg in’s Uber, die Blicke in der Bahn, der Weg zum Auftritt, man weiß nicht, wie die Menschen, die man trifft, reagieren und man macht sich Sorgen. Es fehlt an Akzeptanz. Drag Queens werden meist nur als Paradiesvögel dargestellt, ein nerviges Wort. Drag ist mittlerweile eine Kunstform mit eigenen Wettbewerben etc. Wer etwas dagegen hat, kann ganz einfach wegschauen, kann ja nicht so schwer sein.

3. Welchen Einfluss nehmen Drag Queens auf die queere Community, aber auch auf die heteronormative Gesellschaft?

Je nachdem, wie man Drag einsetzt, kann es eine Protestform und ein Akt des Widerstands sein. Ich habe eine großartige Kollegin namens Barbie Breakout, die sich aus Protest gegen Russlands Homo-Propaganda-Gesetz den Mund zugenäht hat. Drag an sich ist eigentlich schon politisch, weil es vielen Menschen nicht passt, dass du dein Leben lebst, wie es dir gefällt und du dich nicht anpasst nur um in ihr Weltbild zu passen. Ich versuche immer meine Stimme und die mit mir verbundene Aufmerksamkeit zur Aufklärung zu nutzen, egal vor welchem Publikum. Als kleines Beispiel: Dieses Jahr ist es wieder soweit und ich muss nicht verraten, wen ich im September wählen gehe, aber ich kann ganz deutlich sagen, wen ich nicht wähle, denn mit einer solchen Partei, würde es Menschen wie mich nicht mehr lange geben.

4. Was wünschst Du Dir?

Auch viele Menschen der queeren Community wissen gar nicht mehr, dass die Stonewall Aufstände 1969, denen wir vieles verdanken, von Transgendern, Drag Queens, Latinas und PoC angeführt wurden. Ich wünsche mir mehr Zusammenhalt und Toleranz in den eigenen Reihen, genauso wie ich mich wohl und sicher fühlen möchte, wenn ich als Drag Queen zur Arbeit fahre. Für mich und meinen Weg wünsche ich mir, dass ich irgendwann mit meinem eigenen Comedy-Programm auf der Bühne stehen und mein Publikum zum Lachen bringen darf. Ich liebe es, Leute zu unterhalten und würde die damit verbundene Reichweite gerne für noch mehr Aufklärung nutzen!

Wir wollen all den wunderbaren Drag-Künstlern dafür danken, dass sie durch ihre Kunst und ihren Beitrag in unserer Gesellschaft Farbe in die Welt bringen.

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